Ausgabe Mai 2000

Global Governance im WWW

Das Internet ist in wenigen Jahren vom amerikanischen Forschungsnetz zum globalen Netz der Netze geworden. Um so überraschender ist, dass das rasante Wachstum von keiner Zentrale koordiniert wurde. Weder gab es eine Regierung noch eine andere zentrale Organisation, welche die Technik gesteuert hätte. Doch nun soll die von der US-Regierung gegründete Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) Schlüsselpunkte des globalen Internets steuern. Um ICANN für diese Aufgabe zu legitimieren, werden für ihr Direktorium dieses Jahr weltweite Online-Wahlen veranstaltet. Stehen wir also vor der Errichtung einer repräsentativen OnlineDemokratie? Kann das Internet so vom Motor und Sinnbild der Globalisierung, zum Paradigma einer kosmopolitischen und transnationalen Demokratie avancieren, die weltweites Regieren - Global Governance - mit neuen Mitteln erlaubt?

Weithin wird der Tod des Staates vorhergesagt, da Globalisierung und idealtypisch der Cyberspace nationalstaatlich fixierte Demokratien vor ein gemeinsames Problem stellen: Beide ignorieren die Grenzen des territorial definierten Nationalstaates und untergraben somit nicht nur seine Fähigkeit effizient zu regieren, sondern stellen die Demokratie grundsätzlich in Frage. Beide heben die geographische Übereinstimmung von Regelnden, die durch kollektive Entscheidungen (Wahlen) legitimiert sind, und Verregelten im Nationalstaat auf.

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