Ausgabe Juli 2000

Demokratie-Containment

Henry Kissingers Rolle als Berater des indonesischen Präsidenten

Am 28. Februar dieses Jahres ernannte der indonesische Präsident Abdurrahman Wahid den früheren amerikanischen Außenminister Henry Kissinger zu einem seiner Berater. Kissinger akzeptierte und erklärte, er tue dies "aus Freundschaft zum indonesischen Volk und aufgrund der Wichtigkeit, die ich der indonesischen Nation beimesse... Ich möchte Indonesien stark, vereinigt und demokratisch sehen... Ich verstehe dies als Dienst gegenüber beiden Ländern." 1) Zweifel darüber, wem er zu Diensten zu sein gedenkt und wie sehr er ein demokratisches Indonesien wünscht, ließ Kissinger gar nicht erst aufkommen. Schon sein erster "Rat" spricht Bände: Keine Neuverhandlung der Verträge, die PT Freeport mit dem Suharto-Regime geschlossen hat! - PT Freeport, Tochtergesellschaft der in New Orleans ansässigen Freeport McMoRan Copper and Gold Inc., hat in den letzten 33 Jahren die riesigen Kupfer- und Goldvorkommen in West-Papua ausgebeutet. Kissinger, der im Verwaltungsrat von Freeport McMoRan sitzt, was seiner eigenen Firma eine einträgliche Summe einbringt, meinte, es sei "im Interesse Indonesiens, daß der Vertrag [mit Freeport] eingehalten wird, denn Sie wollen doch Investitionen aus aller Welt".

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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