Ausgabe August 2000

Bilanz und Perspektiven des Aufbau Ost

Mit der Ausweitung des DM-Währungsgebietes auf die DDR am 1. Juli 1990 war zugleich die kompromißlose und rasche Integration in das westdeutsche Wirtschafts-, Sozial- und Rechtssystem besiegelt. "Und das war schon ein unerhörter Vorgang, daß eine Währung die politische und staatliche Einheit praktisch unausweichlich machte". So urteilt zehn Jahre danach Hans Tietmeyer, der damalige Verhandlungsführer der Bundesregierung mit der DDR über die DM-Einführung. 1) Die damit verbundenen "negativen Konsequenzen" für die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt im Beitrittsgebiet wären allen westdeutschen Akteuren bewusst gewesen, bestätigt er, weil "Analysen und Fallstudien" vorlagen, "die die Folgen einer schnellen Währungsunion untersuchten und beschrieben". 2)

Die Beseitigung der DDR begann folglich mit einem politischen Coup, dessen katastrophale Auswirkungen verschwiegen wurden. Statt dessen versprach man den ostdeutschen Bürgern eine rasche Angleichung an den westdeutschen Lebensstandard. (Heute zeigen sich Zusammenhänge zu dem gerade aufgedeckten "großen Akten-Vernichtungsprogramm", das "die Spuren vieler jener Vorgänge getilgt hat, die über das Wohl und Wehe von ostdeutschen Unternehmen nach 1990 entschieden.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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