Ausgabe Februar 2001

Industrie in Ostdeutschland: dynamisch, aber schwach

Sowohl die Bundesregierung als auch Vertreter wissenschaftlicher Institutionen plädieren seit einiger Zeit dafür, die wirtschaftliche Lage in den Neuen Ländern zunehmend differenziert zu betrachten, also keine generalisierende Gesamtbewertung vorzunehmen; denn Licht und Schatten lägen dicht beieinander. 1) Der ernste Hintergrund einer solchen Argumentation ist die Diskussion um die Beendigung der Sonderförderung 2) ab 2005. Von diesem Zeitpunkt an sollten, nach den jetzt erkennbaren Absichten der Regierung und auch der EU-Kommission, für Ostdeutschland die üblichen Fördermaßnahmen für ökonomisch schwach entwickelte Regionen in der EU gelten. Dies liefe günstigstenfalls auf eine Beibehaltung der gegenwärtigen absoluten Fördersumme, wahrscheinlich jedoch auf deren fortschreitende Kürzung hinaus. Begründet wird die Absicht vielfach mit der dynamischen Entwicklung der Industrie in Ostdeutschland, die zunehmend zum "Wachstumsmotor" werde. 3)

Tatsächlich wächst in den neuen Ländern die industrielle Produktion in den letzten Jahren erfreulich schnell. "Im Jahr 1999 nahm die Industrieproduktion gegenüber dem Vorjahr um immerhin 8% zu. Dies zeigt, daß es den Unternehmen dieses Sektors der ostdeutschen Wirtschaft zunehmend gelingt, sich im überregionalen Sektor zu etablieren.

Sie haben etwa 14% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 86% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2026

In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Rechte Gewalt, leere Kassen: Ostdeutsche Zivilgesellschaft unter Druck

von Elisa Pfleger

In der Bundespolitik ist das Entsetzen über den Erfolg der AfD bei der Bundestagswahl noch immer groß. In allen ostdeutschen Flächenländern und in 43 von 48 Wahlkreisen wurde die in weiten Teilen rechtsextreme Partei stärkste Kraft, in Görlitz und im Kreis Sächsische-Schweiz-Osterzgebirge erhielt sie beinahe 50 Prozent der Stimmen.