Ostdeutschland ist wieder einmal in die öffentliche Diskussion geraten. Vor allem politische Gründe sind die Ursachen dafür. In den Wahlprogrammen aller Parteien finden sich - teilweise recht nützliche - Vorschläge und Versprechungen, mit denen die ostdeutsche Wirtschaft zu schnellerem Wachstum, mehr Beschäftigung und steigender Effektivität angeregt werden soll. Das Problem, mit dem sich die Politik herumschlägt, besteht darin, dass trotz recht kostspieliger Förderung für Investoren und Unternehmen in den neuen Ländern seit 1997 nicht nur keine weitere Annäherung der gesamtwirtschaftlichen Leistungskraft Ostdeutschlands an die des früheren Bundesgebietes erfolgte, sondern sich im Gegenteil die Lücke zwischen beiden Regionen wieder vergrößerte. Im Jahre 2001 kam es in Ostdeutschland sogar - erstmalig seit 1992 - zu einem absoluten Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (-0,6%), während Westdeutschland das internationale Rezessionsjahr mit einem Zuwachs von immerhin 1,7% überstand. Irgendetwas muss folglich schief gelaufen sein. Neue Rezepte sind gefragt, mit denen das 1990 postulierte Ziel, den Osten auf das Produktivitäts- und Einkommensniveau des Westens zu bringen, doch noch zu erreichen wäre.
Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt im September könnte die AfD nicht nur stärkste Partei werden, sondern anschließend auch die Regierung stellen. Dass damit aber wirklich der angekündigte fundamentale Umbau einherginge, ist zu bezweifeln.