Ausgabe Juni 2003

Nordkoreanische Drohkulisse

Der Streit zwischen den USA und Nordkorea um dessen Atomwaffenprogramme ist seit Ende letzten Jahres wieder entbrannt. Dabei schien das überraschende Treffen des japanischen Ministerpräsidenten Koizumi mit dem nordkoreanischen Führer Kim Jong Il am 17. September 2002 darauf hinzudeuten, dass das Land sich langsam öffnet und einen weniger konfrontativen politischen Kurs gegenüber seinen Nachbarländern einschlägt. Doch dann gestand Nordkorea die Existenz eines Urananreicherungsprogramms zum Bau einer Atombombe ein. Eine neuerliche Annäherung deutete sich bei den trilateralen Verhandlungen zwischen den USA, Nordkorea und China Ende April 2003 an. Umso überraschender kam dann die amerikanische Meldung, Gi Lun, der Chef der nordkoreanischen Delegation, habe in einer Kaffeepause dem amerikanischen Chefunterhändler James Kelly erklärt, Nordkorea besitze die Bombe.

Schien es zuerst, als diene die Entwicklung atomarer Waffen samt den indirekten militärischen Drohungen gegenüber Japan und den USA nur dazu, ökonomische Hilfe zu erpressen, so zeigte sich in den letzten Monaten immer deutlicher, dass Nordkorea vor allem Sicherheitsgarantien von den USA verlangt. Erst anschließend will Nordkorea über einen Atomwaffenverzicht reden. Die USA wiederum wollen ihrerseits erst nach Abschaffung der Atomwaffen über Sicherheitsgarantien und ökonomische Hilfen verhandeln.

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