1999 stürzte die WTO in eine tiefe Krise. Die Ministerkonferenz von Seattle galt als gescheitert – und mit ihr, zumindest vorerst, der jahrelange Versuch eine neoliberale Wirtschaftswelt zu schaffen. Vier Jahre später steht die Welthandelsorganisation erneut am Scheideweg. Die 5. Ministerkonferenz, welche die Verhandlungsführer vom 10. bis zum 14. September in das mexikanische Ferienparadies Cancún führen wird, steht unter keinem guten Stern. Die Konfliktfelder sind abgesteckt, von Urlaubsstimmung keine Spur. Da gibt es etwa die Forderung, den Kompetenzbereich der WTO auszuweiten; es gibt mahnende Stimmen, die nach einer Beschränkung der Macht rufen; mit Blick auf die unilateralistische Haltung der US-Regierung wird die Frage diskutiert, ob es die Supermacht auch künftig noch nötig haben wird, sich den WTO-Regeln zu beugen; die Verhandlungen der seit zwei Jahren laufenden Welthandelsrunde sind ins Stocken geraten und der Unmut der Länder des Südens wächst stetig. An diesen Beispielen wird deutlich, dass die Organisation weit von einer Überwindung der Krise entfernt ist. Um dennoch einen "erfolgreichen" Abschluss zu erzielen, werden bereits im Vorfeld der Konferenz zwei Mythen ins Feld geführt: der Mythos, es handele sich um eine Entwicklungsrunde, und zweitens, die WTO agiere multilateralistisch.
Das Timing hätte nicht besser sein können. Kaum hatten Ende April Delegierte aus 57 Staaten die weltweit erste Konferenz zum Ausstieg aus fossilen Brennstoffen verlassen, gab es neue Hiobsbotschaften vom Ölmarkt.