Ausgabe August 2004

Kurskorrektur für den Aufbau Ost?

Die soziale und wirtschaftliche Lage in Ostdeutschland ist wieder einmal in die Schlagzeilen geraten. Der "Gesprächskreis Ost der Bundesregierung" um den ehemaligen Hamburger Bürgermeister und erfolglosen Treuhand-Sanierer für ostdeutsche Kombinate, Klaus von Dohnanyi (SPD), warnt in einem Ende Juni der Presse vorgestellten Papier vor schwer wiegenden Folgen, die sich für Ost- und Gesamtdeutschland wie für Europa ergäben, wenn sich die gegenwärtigen Entwicklungstrends in den neuen Ländern fortsetzten. Ist dies, nach den regierungsamtlichen Zusagen, in den neuen Ländern "blühende Landschaften" zu schaffen, den Aufbau Ost zur "Chefsache" zu machen und dem Alarmsignal des Bundestagspräsidenten, Wolfgang Thierse, Ostdeutschland stehe "auf der Kippe", ein erneuter Notruf, der erneut bald verhallen wird?

Die Daten der Tabelle [zu finden in der pdf-Datei des Artikels (Link siehe unten)] belegen: Ostdeutschlands Wirtschaft dümpelt dahin, Bevölkerung und Zahl der Erwerbstätigen schrumpfen, der Aufholprozess ist seit Mitte der 90er Jahre abgebrochen. Auch die gegenüber Westdeutschland rückläufigen Investitionen in neue Ausrüstungen, die wichtigste Kennziffer für einen Aufholprozess, sind seit Mitte der 90er Jahre weit unter das westdeutsche Niveau gesunken. Die Löhne und Gehälter stagnieren ebenfalls und liegen nicht nur weit unter dem westdeutschen Niveau, sondern auch unter dem der erreichten Produktivität.

Sie haben etwa 16% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 84% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema Ostdeutschland

Rechte Gewalt, leere Kassen: Ostdeutsche Zivilgesellschaft unter Druck

von Elisa Pfleger

In der Bundespolitik ist das Entsetzen über den Erfolg der AfD bei der Bundestagswahl noch immer groß. In allen ostdeutschen Flächenländern und in 43 von 48 Wahlkreisen wurde die in weiten Teilen rechtsextreme Partei stärkste Kraft, in Görlitz und im Kreis Sächsische-Schweiz-Osterzgebirge erhielt sie beinahe 50 Prozent der Stimmen.