Ausgabe Dezember 2004

Das albanische Erbe

Mit einem Paukenschlag meldeten sich die USA in der ersten Novemberwoche wieder auf dem Balkan zu Wort: Kurzerhand erkannte Washington die Republik Mazedonien unter diesem, ihrem Verfassungsnamen an, ohne sich viel um die Positionen der UNO und der Europäischen Union in der vertrackten Angelegenheit zu kümmern. Seitdem die südlichste ehemalige jugoslawische Teilrepublik vor 13 Jahren unabhängig wurde, dauert der Streit mit Griechenland wegen des amtlichen Namens an. Nur unter der absonderlichen Umschreibung "Ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien" (FYROM) war ein Platz in der Weltorganisation für Skopje zu bekommen gewesen. Zwar haben griechische Unternehmen in der Zwischenzeit in "FYROM" so ziemlich alles gekauft, was möglicherweise eines Tages wirtschaftlich lukrativ ausfallen könnte, aber geblieben ist die für Außenstehende logisch kaum nachvollziehbare Furcht Athens vor Territorialansprüchen aus dem Norden.

Schon seit einigen Wochen war der UN-Beauftragte für die Schlichtung des Namensstreites, der ehemalige US-Diplomat Matthew Nimetz, zwischen Athen und Skopje hin und her gependelt. Zwei Tage nach den Präsidentenwahlen in den USA kam dann die für Athen schockierende und für Skopje überaus frohe Botschaft der Anerkennung aus Washington. Aus dem UNHauptquartier in New York, aus Brüssel und auch aus Berlin folgten wortkarge Erklärungen, wonach der US-Schwenk keine Veränderungen im Herangehen der anderen Beteiligten bewirken wird.

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