Ausgabe Dezember 2004

Das albanische Erbe

Mit einem Paukenschlag meldeten sich die USA in der ersten Novemberwoche wieder auf dem Balkan zu Wort: Kurzerhand erkannte Washington die Republik Mazedonien unter diesem, ihrem Verfassungsnamen an, ohne sich viel um die Positionen der UNO und der Europäischen Union in der vertrackten Angelegenheit zu kümmern. Seitdem die südlichste ehemalige jugoslawische Teilrepublik vor 13 Jahren unabhängig wurde, dauert der Streit mit Griechenland wegen des amtlichen Namens an. Nur unter der absonderlichen Umschreibung "Ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien" (FYROM) war ein Platz in der Weltorganisation für Skopje zu bekommen gewesen. Zwar haben griechische Unternehmen in der Zwischenzeit in "FYROM" so ziemlich alles gekauft, was möglicherweise eines Tages wirtschaftlich lukrativ ausfallen könnte, aber geblieben ist die für Außenstehende logisch kaum nachvollziehbare Furcht Athens vor Territorialansprüchen aus dem Norden.

Schon seit einigen Wochen war der UN-Beauftragte für die Schlichtung des Namensstreites, der ehemalige US-Diplomat Matthew Nimetz, zwischen Athen und Skopje hin und her gependelt. Zwei Tage nach den Präsidentenwahlen in den USA kam dann die für Athen schockierende und für Skopje überaus frohe Botschaft der Anerkennung aus Washington. Aus dem UNHauptquartier in New York, aus Brüssel und auch aus Berlin folgten wortkarge Erklärungen, wonach der US-Schwenk keine Veränderungen im Herangehen der anderen Beteiligten bewirken wird.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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