Ausgabe April 2005

Mathilde Poirot

Der neueste Film von Jean-Pierre Jeunet Mathilde – Eine große Liebe ist auf den ersten Blick ein Liebesfilm. Und doch hat der Regisseur von Amélie (2001) einen sehr großen Teil der Produktionskosten (45 Mio. Euro) in die Inszenierung von Kriegsszenen gesteckt, vielleicht, weil es in filmischen Dramaturgien kaum ein besseres Pendant gibt zu einer Liebe, die als ewig und alles überdauernd erscheinen soll, als den Krieg. Die wegen Kinderlähmung leicht gehbehinderte Mathilde verliebt sich in den jungen Manech, der bald darauf in den (Ersten Welt-) Krieg muss. Er und vier seiner Kameraden versuchen, den Grabenkämpfen an der Somme durch Selbstverletzung zu entgehen. Sie werden zum Tod verurteilt, die Exekution überlässt man dem deutschen Feind: Zwischen die Linien geschickt, kommen sie nach und nach auf grässliche Weise um.

Mathilde mag nicht an den Tod ihres Geliebten glauben, und das Schicksal der fünf wird im Lauf ihrer hartnäckigen Recherchen aufgerollt. Jedes gefundene Detail wird in überaus "naturalistischen" Rückblenden vorgeführt. Der "Krieg" wird dabei immer präsenter, gleichzeitig verlagert sich die dramaturgische Perspektive vom Liebesdrama in Richtung Detektivgeschichte, was auch daran liegt, dass die suggerierte außergewöhnliche Tiefe dieser Liebe selbst durch die Szenen auf dem Leuchtturm (Titanic lässt grüßen) kaum glaubhaft wird.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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