Ausgabe Mai 2005

Japan, China, Korea im Kampf um die Geschichte

Das 60jährige Jubiläum des Kriegsendes steht in Ostasien zugleich für das Ende der japanischen Kolonialherrschaft über China und Korea. Vor 40 Jahren wurde der Freundschaftsvertrag zwischen Japan und Südkorea geschlossen. Er beinhaltete Entschädigungszahlungen und günstige Kredite von Japan an Südkorea und sollte die Beziehungen beider Länder normalisieren. Jetzt aber ist das aus diesem Anlass geplante Jahr der Freundschaft zwischen beiden Ländern zum Jahr neu aufgeflammten Streits geworden.

Die Beziehungen Japans zu China und Südkorea sind nach wie vor weit von einer Normalisierung entfernt. Echtes Misstrauen gegenüber Japan, hervorgerufen durch seine Haltung gegenüber der eigenen Geschichte, aber auch überbordende nationalistische Empfindungen gegen die ehemaligen Unterdrücker prägen die Einstellungen Chinas und Südkoreas gegenüber Japan. Beide Länder neigen dazu, durch die Wiederbelebung des Feindbildes Japan von innenpolitischen Schwierigkeiten abzulenken. Dazu kommen ungelöste Territorialfragen, die den Besitz von Inseln betreffen, in deren Umkreis sich reiche Fischgründe befinden und Erdgas bzw. Erdöl vermutet wird.

Die Rivalität Japan-China

Japan und China als die größten Volkswirtschaften Ostasiens sind wirtschaftliche Partner und zugleich Rivalen um die regionale Vorherrschaft.

Sie haben etwa 11% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 89% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Euphorie und Ernüchterung: Bangladesch nach dem Aufstand

von Natalie Mayroth, Dil Afrose Jahan

Im September fanden an der Universität Dhaka, einer der wichtigsten Hochschulen Bangladeschs, Wahlen zur Studentenvereinigung statt. Manche sehen sie als Testlauf für die nationalen Wahlen. Daher ist es ein Warnsignal, dass dort ausgerechnet der Studentenflügel der islamistischen Jamaat-e-Islami gewann.