Ausgabe Mai 2005

Kunst und Freihandel

Der UNESCO-Streit um kulturelle Vielfalt

Kaum ein Thema dürfte derzeit strittiger sein als die Frage, ob der bereits eingeleitete weltweite Prozess der Öffnung von Märkten für ausländische Güter und Dienstleistungen "kulturverträglich" gestaltet werden kann. Dies zeigte nicht zuletzt die im Februar 2005 in Paris ohne nennenswerte Ergebnisse zu Ende gegangene zweite UNESCO-Verhandlungsrunde zur Ausarbeitung eines Übereinkommens zum Schutz der kulturellen Vielfalt.

Einer weit verbreiteten Ansicht zufolge sind kulturelle Güter und Dienste (beispielsweise Druckerzeugnisse, Musikaufnahmen, Kompositionen und künstlerische Aufführungen, visuelle Kunst, audiovisuelle Medien, Kulturerbe und -aktivitäten) nicht gleich zu behandeln wie andere, kommerziell gehandelte Waren und Dienstleistungen. In Zeiten weltweiter Globalisierung wird nicht nur eine Ökonomisierung von Kunst und Kultur befürchtet, sondern auch eine Homogenisierung auf niedrigem Niveau, weshalb eine rein marktbezogene Herangehensweise als für die kulturelle Vielfalt ungeeignet und sogar schädlich angesehen wird.1 Deswegen solle der Versuch unternommen werden, unter der Federführung der UNESCO ein gesondertes Rechtsregime für kulturelle Ausdrucksformen zu schaffen.

Sie haben etwa 5% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 95% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema