Ausgabe August 2005

Illegal, doch legitim

Eine dubiose Doktrin unserer Zeit

An historischen wie zeitgenössischen Standards gemessen haben wir das Glück, ein hohes Maß an Freiheit genießen zu können. Freiheit eröffnet Chancen, und Chancen bringen Verantwortung mit sich – die Verantwortung, von seiner Freiheit weise, aufrichtig und human Gebrauch zu machen. Und wir leben in Zentren enormer Macht. Wie wir uns jeweils entscheiden, unserer Verantwortung gerecht zu werden, hat deshalb mit Sicherheit weit reichende Konsequenzen.

Ich möchte mich hier auf ein Thema konzentrieren, das buchstäblich Überlebensfragen berührt: den Rückgriff auf Gewalt in den internationalen Beziehungen und wie dessen Legitimität im Laufe der Zeiten beurteilt wurde.

Die entsetzlichen Verbrechen des 20. Jahrhunderts haben große Anstrengungen bewirkt, Menschen vor dem Fluch des Krieges zu retten – und das Wort "retten" ist gewiss keine Übertreibung, seit 1945 klar wurde, dass die "ultimative Katastrophe" weitaus wahrscheinlicher ist, als irgendein denkender Mensch hinnehmen darf. Der Ausdruck "ultimative Katastrophe" stammt nicht von mir.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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