Ausgabe August 2005

Illegal, doch legitim

Eine dubiose Doktrin unserer Zeit

An historischen wie zeitgenössischen Standards gemessen haben wir das Glück, ein hohes Maß an Freiheit genießen zu können. Freiheit eröffnet Chancen, und Chancen bringen Verantwortung mit sich – die Verantwortung, von seiner Freiheit weise, aufrichtig und human Gebrauch zu machen. Und wir leben in Zentren enormer Macht. Wie wir uns jeweils entscheiden, unserer Verantwortung gerecht zu werden, hat deshalb mit Sicherheit weit reichende Konsequenzen.

Ich möchte mich hier auf ein Thema konzentrieren, das buchstäblich Überlebensfragen berührt: den Rückgriff auf Gewalt in den internationalen Beziehungen und wie dessen Legitimität im Laufe der Zeiten beurteilt wurde.

Die entsetzlichen Verbrechen des 20. Jahrhunderts haben große Anstrengungen bewirkt, Menschen vor dem Fluch des Krieges zu retten – und das Wort "retten" ist gewiss keine Übertreibung, seit 1945 klar wurde, dass die "ultimative Katastrophe" weitaus wahrscheinlicher ist, als irgendein denkender Mensch hinnehmen darf. Der Ausdruck "ultimative Katastrophe" stammt nicht von mir.

Sie haben etwa 2% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 98% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (3.00€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema