Ausgabe März 2007

Ortega reloaded

Die sandinistische Revolution in Nicaragua war in den 80er Jahren, wie es Ernesto Cardenal formulierte, die „beliebteste Revolution der Welt“. Denn der von der Frente Sandinista de la Liberación Nacional (FSLN) geführte Aufstand stürzte 1979 einen brutalen Diktator und kam ohne Todesstrafe und ohne einen übermächtigen Führer aus. Einmal an der Macht, initiierte die Revolutionsregierung des armen Landes bald breit angelegte Gesundheits- und Alphabetisierungsprogramme. Und nicht zuletzt musste sie gegen die von der Reagan-Regierung finanzierten Contras verteidigt werden.

Inzwischen ist die Freude über die Revolution längst einer Katerstimmung gewichen. So wie die FSLN früher bewundert wurde, wird sie heute für ihre Entwicklung nach der Wahlniederlage im Jahre 1990 kritisiert. Und dies hat durchaus auch mit den einstigen Revolutionären selbst zu tun. Gerade Daniel Ortega, der ewige Generalsekretär und Dauerkandidat der FSLN, ist zum Symbol des moralischen Verfalls geworden.

Im Mittelpunkt der Kritik steht dabei, neben der als Piñata bekannten Bereicherungsaktion höherer FSLN-Kader, der sogenannte pacto, das heißt die Zusammenarbeit zwischen Ortega und Arnoldo Alemán, dem korrupten Ex- Präsidenten (1997-2001) des Landes. Beide Politiker müssten von ihrer politischen Ausrichtung her eigentlich Gegner sein – schließlich gibt es in Alemáns Partido Liberal Constitucionalista (PLC) viele Anhänger des gestürzten Diktators Somoza.

Sie haben etwa 13% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 87% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Weitere Artikel zum Thema

Indonesien: Die Wut der Gen Z und ihr Kampf gegen die Eliten

von Markus Berg

Seit zwei Jahren ist Indonesiens Präsident Prabowo Subianto nun im Amt – der konservative Ex-General folgte im Oktober 2024 auf den beliebten einstigen Reformer Joko Widodo, kurz: Jokowi, der das Land zehn Jahre lang regiert hatte.

Führungsfetisch statt Bürgernähe

von Markus Linden

Der rasende Autoritäts- und Machtverlust, den die Union und der Bundeskanzler binnen nicht einmal zwei Jahren an der Regierung erlitten haben, erklärt sich nicht zuletzt durch Friedrich Merz’ Führungsstil. Merz setzt ganz auf cäsaristische Anweisung von oben.