Ausgabe April 2007

Der Wolf im Papstpelz

Die Kirchen sollten sich mit ihren vom Glauben geprägten Vorstellungen in die Diskussionen des demokratischen Rechtsstaates einbringen, auch wenn ihr Glaube längst nicht mehr von allen Bürgern geteilt werde. So der Philosoph Jürgen Habermas in seinem Gespräch mit dem damaligen Präfekten der Glaubenskongregation, Joseph Ratzinger, im Januar 2004.1

Und Habermas sattelte noch einen drauf: Auch die säkularisierten Bürger sollten sich an der Anstrengung beteiligen, „relevante Beiträge aus der religiösen in eine öffentlich zugängliche Sprache zu übersetzen“. Die Citoyens sollten ein Interesse für die religiös begründeten Vorschläge zu gesellschaftlichen Fragen haben – nicht weil der Staat von Voraussetzungen lebe, die er selber nicht garantieren könne, wie das berühmte Diktum von Ernst-Wolfgang Böckenförde nahe legt, sondern aus der Einsicht, dass auch die Philosophie nach der Aufklärung religiöse Inhalte aufgenommen und übersetzt habe. Aus der Gottesebenbildlichkeit sei beispielsweise die gleiche Würde aller Menschen geworden, so Habermas. Summa: Die Kirchen sind deswegen eine wichtige Stimme, weil sie eine Tradition bewahren, die das Selbstverständnis des modernen Staates mitgeprägt hat und bis heute das Normbewusstsein und die Solidarität von gläubigen Bürgern prägt.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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