Ausgabe November 2007

Neue Bewegung im Pazifik

Am 12. September war Shinzô Abes Traum vom „Beautiful Japan“ ausgeträumt. Der visionäre Premierminister, der ein neues, „schönes Japan“ schaffen wollte, das allerdings viele Züge des imperialen Vorkriegsjapan getragen hätte, verfiel nach der desaströsen Oberhauswahlniederlage vom 29. Juli1 in eine Depression, trat zurück und begab sich ins Krankenhaus.

Um seine Nachfolge bewarb sich umgehend Taro Aso, der im ersten Kabinett Abe Außenminister gewesen war und nach der Wahlniederlage Abes Stellvertreter in der Parteiführung wurde. Taro Aso ist wie Abe und viele andere hochrangige japanische Politiker ein politisches „Blaublut“; sein Großvater war der langjährige Premierminister Shigeru Yoshida, der unter anderem 1951 den Friedensvertrag mit den USA unterzeichnete. Wie Abe ein nationalistischer Falke, fehlt Aso allerdings dessen Zug zum Visionären.

Die Granden der Liberaldemokratischen Partei (LDP) hatten aber offensichtlich genug von polarisierenden Politikern, wie Koizumi, Abe und nun Aso, der auch den Makel trägt, dem blamabel abgetretenen Abe zu nahe gestanden zu haben. Stattdessen wählten sie Yasuo Fukuda zum Nachfolger Abes, eine Wahl, mit der die von Koizumi entmachteten Fraktionen auch einen Teil ihrer einstigen Macht zurückgewonnen haben. Wie früher ist der Premier in seinen Entscheidungen von den Mächtigen der Partei abhängig.

Auch Fukuda entstammt einer Politikerdynastie.

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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