Ausgabe August 1992

Die Aufholjagd ruiniert die ganze Gesellschaft

Eine andere Entwicklungslogik für die neue Bundesrepublik. Blätter-Gespräch

Die Kluft, die den Osten vom Westen der neuen Bundesrepublik trennt, ist unübersehbar, und so bald wird sie nicht verschwinden. Die Ernüchterung über diesen Befund weicht inzwischen zunehmender Nervosität. Ein vergleichsweise alltäglicher politischer Vorgang wie die Etablierung einer ostdeutschen Vereinigung (vgl. "Dokumente zum Zeitgeschehen" in diesem Heft), die sich jedoch nicht an die etablierten Parteigrenzen hält, provoziert emotionalisierte Kritik... Dabei wäre das doch ein Signal mehr, endlich zur Sache zu kommen - zu jener Debatte nämlich, die der sächsische Ministerpräsident Biedenkopf in einer vielbeachteten Rede am 18. März 1992 mit der provokanten Devise vom "Ende der Aufholjagd" begonnen hat (vgl. "Dokumente zum Zeitgeschehen", Heft 5/1992). Es geht darum, die Zielbestimmungen des Einheitsprozesses zu korrigieren und neu zu definieren. - In dem folgenden "Blätter"-Gespräch, das am 3. Juli 1992 in Dresden geführt wurde, entwickelt Kurt Biedenkopf ausführlich und kontrovers seine Position - ausgehend von den elementaren Problemen ostdeutscher Politik bis hin zu Fragen nach den fälligen Neubestimmungen der politischen, gesellschaftlichen und industriellen Entwicklungsmuster der neuen Bundesrepublik. Die Fragen stellten Prof. Martin Jänicke (FU Berlin), Prof.

August 1992

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