Ausgabe August 1995

Die Schlacht um die Enola Gay

Szenen aus dem amerikanischen Kulturkrieg

Anläßlich des 50. Jahrestages des Atombombenabwurfs auf Hiroshima plante das Smithsonian Institute, eine 1846 durch Kongreßbeschluß begründete wissenschaftliche Einrichtung zur Förderung von Forschungsvorhaben und Expeditionen, im National Air and Space Museum (NASM) in Washington D.C. eine Ausstellung. Inoffiziell trug das Projekt den Namen des Flugzeugs, das am 6. August 1945 seine Tod und Verwüstung bringende Ladung über der südjapanischen Hafenstadt abwarf: "Enola Gay". (So hatte der Pilot Paul Tibbet die Maschine auf den Namen seiner Mutter getauft.) Kernstück dieser Ausstellung sollten - weil als Ganzes zu groß für das Museum Teile dieses Flugzeuges sein, umgeben von Dokumenten und Bildern, die sich mit den technischen und historischen Komplexitäten, aber auch mit den durch die Hiroshoma-Bombe ausgelösten Kontroversen beschäftigen sollten.

Unter dem Titel "Scheidewege: Das Ende des Zweiten Weltkrieges. Die Atombombe und die Wurzeln des Kalten Krieges" sollte eine dem Ereignis angemessene, ausführlich informierende und zum Nachdenken anregende Ausstellung präsentiert werden; hatte doch das Meinungsforschungsinstitut Gallup ermittelt, daß jeder vierte Amerikaner überhaupt nicht wußte, daß es zu einem Atombombenabwurf gekommen war.

August 1995

Sie haben etwa 3% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 97% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema