Ausgabe September 1996

Kaschmir - Knotenpunkt indisch-pakistanischer Konfliktlinien

Seit 1989/90 hat ein Konflikt, der fünfundzwanzig Jahre lang keine Rolle in der internationalen Öffentlichkeit spielte, eine zunehmende Prominenz erlangt und ist zudem ein Primärfaktor für die gravierende Verschlechterung der Beziehungen zwischen Indien und Pakistan geworden - die Auseinandersetzung in und um Kaschmir. Es gibt wenige Konflikte in der Dritten Welt, die mit einem derartigen Rauchvorhang von kontroversen Perzeptionen, Argumenten und ideologischen Konstruktionen umgeben wurden. Diese Tatsache und die durchaus reale Gefahr, daß die Intensität, die Erscheinungsformen und das konfliktbegünstigende Umfeld der pakistanisch-indischen Interessenkonfrontation zu einem erneuten Krieg führen können - und zwar weit über die Grenzen Kaschmirs hinaus, machen es zwingend erforderlich, die Problematik jenseits der faktisch zum ideologischen Krieg verkommenen offiziellen Positionen der Konfliktseiten, aber auch abgehoben von einer vordergründig politisch instrumentalisierten Menschenrechtsrhetorik, vorurteilsfrei, sachlich und ohne Illusionen zu diskutieren. Das ist zugleich eine der entscheidenden Voraussetzungen dafür, daß Pakistan und Indien, die wirklichen Akteure in diesem verdeckten Krieg, in einen tatsächlichen Dialog eintreten und von unverbindlichen Gesprächen mit gebetsmühlenhaft wiederholten Statements zur Verhandlung von Sachfragen vordringen.

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September 1996

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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