Ausgabe Juli 1997

Spurenvernichtungsarbeit in Lübeck

Das war's dann wohl! Zumindest bis zur nächsten Instanz. Wenn es nach der Staatsanwaltschaft geht, wird es ein Remake dieses Lübecker Brandprozesses geben. Und dann werden, so hoffen die Ankläger, die Tonbänder verwertet werden dürfen, auf denen Gespräche zwischen dem Angeklagten und dessen Familie gespeichert sind. Abgehörte Dialoge aus der Besucherzelle des Lübecker Untersuchungsgefängnisses, mit deren Hilfe die Ankläger hoffen, die Schuld des libanesischen Angeklagten Safwan Eid nachweisen zu können. Diesmal, während des achtmonatigen Verfahrens vor einer Jugendstrafkammer des Lübecker Landgerichts, durften sie diese Tonbandaufnahmen nicht einführen. Dadurch - so behaupteten sie in ihren Plädoyers - war ihnen ein wichtiges Beweismittel für die Schuld des Angeklagten abhanden gekommen.

Der ihrer Meinung nach derjenige war, der entweder alleine oder mit anderen in der Nacht des 18. Januar 1996 den Brand in dem Lübecker Asylbewerberheim an der Hafenstraße 52 legte, bei dem 10 Menschen ums Leben kamen, weitere 38 zum Teil schwer verletzt wurden. Eine Tat, die Safwan Eid zum Bedauern der Ankläger jedoch nicht mit der zu einer Verurteilung ausreichenden Sicherheit nachgewiesen werden konnte.

Juli 1997

Sie haben etwa 12% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 88% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2026

In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Chile: Leere Versprechen für die Indigenen?

von Malte Seiwerth

Am 1. Juni hielt der chilenische Präsident Gabriel Boric zum letzten Mal seine jährliche Rede vor den beiden Parlamentskammern des südamerikanischen Landes, eine Tradition, die seit 1833 gepflegt wird. Nach dreieinhalb Jahren im Amt wirkte seine Rede bereits wie ein Abschied.