Ausgabe Oktober 1997

Paschtunischer Ethnozentrismus oder einigender Islam?

Die Taliban und die Zukunft Afghanistans

Die Weltöffentlichkeit hatte seit dem Abzug der sowjetischen Truppen aus Afghanistan 1989 das Interesse am dortigen Geschehen verloren. Erst als im Herbst 1996 die Taliban [Religionsstudenten] Kabul einnahmen, stand das Land wieder im Mittelpunkt der Berichterstattung.

Doch gilt das Interesse weniger dem Machtwechsel in der afghanischen Hauptstadt als dem radikalen Auftreten der neuen Machthaber: Die Taliban entsprechen dem Feindbild von fanatischen Muslimen, die mit Gewalt eine Rückkehr in mittelalterliche Verhältnisse erzwingen.

Der vergessene Krieg

Afghanistan ist ein Vielvölkerstaat, dessen Bevölkerung zu ca. 85% dem sunnitischen und zu ca. 15% dem schiitischen Islam angehört. Seit dem Sturz Najibullahs, des letzten afghanischen Machthabers von Moskaus Gnaden (1992) zerfiel Afghanistan in Teilreiche, die sich über die persönlichen Rivalitäten ihrer Warlords und über ethnisch-religlöse Gegensätze voneinander abgrenzten.

So verfügten die schiitischen Hazara (ca. 8% der Bevölkerung) mit der Hezb-e wahdat, die Usbeken (ca. 9%) mit der islamisch moderaten Junbesh-e melli-ye islami des ehemaligen Kommunisten Rashid Dostum und die Tadschiken (ca. 25%) mit der fundamentalistischen Jam'iyat-e islami unter der Führung von Burhanuddin Rabbani und Ahmad Schah Massoud über eigene Organisationsbasen.

Oktober 1997

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Euphorie und Ernüchterung: Bangladesch nach dem Aufstand

von Natalie Mayroth, Dil Afrose Jahan

Im September fanden an der Universität Dhaka, einer der wichtigsten Hochschulen Bangladeschs, Wahlen zur Studentenvereinigung statt. Manche sehen sie als Testlauf für die nationalen Wahlen. Daher ist es ein Warnsignal, dass dort ausgerechnet der Studentenflügel der islamistischen Jamaat-e-Islami gewann.