Kurz vor den Bundestagswahlen überschlagen sich die Regierungsparteien in dem Bemühen, die Keime künftiger, verheißungsvoller Entwicklungen ins rechte Licht zu rücken. Nur sie, die Unionsparteien und die Liberalen seien fähig, die "in Fahrt kommende Konjunktur", die "Wende am Arbeitsmarkt" kräftig zu befördern, wenn sie am Ruder der Macht verharren könnten. Das gelte in besonderem Maße für den Aufbau Ost. Sicher gibt es in der ostdeutschen Wirtschaft Ansätze für zukunftsträchige Entwicklungen. Etwa das rasche Wachstum der Industrieproduktion (+9% in 1997/96); oder die für 1998 geplanten Zuwachsraten der Investitionen in wichtigen Industriezweigen. In den Forschungs-und-Entwicklungs-(FuE)-intensiven Branchen wachsen sie 1998, nach Befragungen des ifo Instituts, um 6%. Darunter im Maschinenbau um 14%, in der Elektrotechnik um 25% und in der Kunststoffwarenindustrie um 13%. 1) Das aber sind in der Tat nur Keime, mit deren künftiger Entwicklung sich Hoffnungen verbinden können. Sie verdecken nicht die immensen Fehlleistungen der Wirtschaftspolitik und die belastenden Hypotheken. die sie hinterläßt.
In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert.