"Schon bald nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland haben alle demokratischen Kräfte die Wiedergutmachung nationalsozialistischen Unrechts als eine Aufgabe von größter moralischer und menschlicher Tragweite angesehen und als solche auch behandelt." Diese oft zitierten Worte stehen am Beginn der sechsbändigen Restitutions- und Entschädigungsgeschichte der Bundesrepublik Deutschland, herausgegeben vom Bundesfinanzministerium in Zusammenarbeit mit Walter Schwarz. 1) Sie werden in den letzten Wochen und Monaten gerne durch eine Zahl ergänzt: Über 100 Mrd. Mark, so ist in verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften zu lesen, habe die Bundesrepublik bisher für die Entschädigung von NS-Opfern ausgegeben, was im übrigen den Tatsachen entspricht. Perspektivwechsel: Das Bundesentschädigungsgesetz (BEG) wurde bekanntlich 1965 als Schlußgesetz konzipiert, so daß ab 1969 Neuanträge unterbunden werden sollten. Unter die Entschädigungsleistungen, ohnehin stark forciert von internationalem Druck, sollte ein Schlußstrich gezogen werden.
In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.