In einem goldfarbenen Luxusbus passierte der indische Premier Atal Bihari Vajpayee am 20. Februar 1999 die indisch-pakistanische Grenze im Punjab und wurde im Grenzort Wagah von seinem pakistanischen Kollegen Nawaz Sharif mit allen Ehren empfangen. Zehn Jahre nach dem letzten Besuch eines indischen Regierungschefs im verfeindeten Nachbarland sollte die spektakuläre Reise der Auftakt sein für eine Ära der Entspannung in Südasien. Der eigentliche Gipfel im Lahore war reich an Symbolik und wohlwollenden Erklärungen. An dem Ort, wo die Muslim League 1940 mit ihrer Pakistan-Resolution erstmals die Teilung Britisch-Indiens gefordert hatte, stellte Vajpayce klar, daß ein stabiles Pakistan im ureigensten Interesse Indiens sei, und erteilte damit den radikalen irredentistischen Stimmen in seiner Heimat eine eindeutige Absage. In der Labore-Deklaration bekundeten beide Seiten ihre gemeinsame Vision von Frieden und Wohlstand, ihr Verantwortungsbewußtsein hinsichtlich der Nuklearrüstung und die Absicht, das Abkommen von Simla umzusetzen, in dem sich Pakistan 1972 nach dem verlorenen Krieg um Bangladesch mit der bilateralen Regelung aller Probleme - einschließlich Kaschmir - einverstanden erklärt hatte.
In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.