In einem goldfarbenen Luxusbus passierte der indische Premier Atal Bihari Vajpayee am 20. Februar 1999 die indisch-pakistanische Grenze im Punjab und wurde im Grenzort Wagah von seinem pakistanischen Kollegen Nawaz Sharif mit allen Ehren empfangen. Zehn Jahre nach dem letzten Besuch eines indischen Regierungschefs im verfeindeten Nachbarland sollte die spektakuläre Reise der Auftakt sein für eine Ära der Entspannung in Südasien. Der eigentliche Gipfel im Lahore war reich an Symbolik und wohlwollenden Erklärungen. An dem Ort, wo die Muslim League 1940 mit ihrer Pakistan-Resolution erstmals die Teilung Britisch-Indiens gefordert hatte, stellte Vajpayce klar, daß ein stabiles Pakistan im ureigensten Interesse Indiens sei, und erteilte damit den radikalen irredentistischen Stimmen in seiner Heimat eine eindeutige Absage. In der Labore-Deklaration bekundeten beide Seiten ihre gemeinsame Vision von Frieden und Wohlstand, ihr Verantwortungsbewußtsein hinsichtlich der Nuklearrüstung und die Absicht, das Abkommen von Simla umzusetzen, in dem sich Pakistan 1972 nach dem verlorenen Krieg um Bangladesch mit der bilateralen Regelung aller Probleme - einschließlich Kaschmir - einverstanden erklärt hatte.
In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert.