Ausgabe Juli 2000

Beschleunigung und Heimat

Paradoxien sozialdemokratischer Parteireform

Die deutsche Sozialdemokratie will sich erneuern, programmatisch wie organisatorisch - sich "neu aufstellen", wie ihr Generalsekretär Franz Müntefering griffig formuliert. Die Absicht kommt nicht zu früh. Das fortgesetzte Versäumnis, sich über den Zustand und die Veränderungen ihrer gesellschaftlichen und weltanschaulichen Grundlagen gründlich Rechenschaft abzulegen und den gewonnenen Einsichten entsprechend zu handeln, könnte der Partei heftig schaden. Zwar steht nicht der plötzliche Kollaps der deutschen Sozialdemokratie bevor - eine in vielen Jahrzehnten institutionalisierte politische Konfession stirbt nicht einfach so dahin, löst sich auf und verschwindet. Das Problem der SPD ist allerdings der schleichende Verfall ihrer Legitimitätsgründe und sozialen Verankerung. Diese Auszehrung ihrer Stabilität und Kontinuität stiftenden Ressourcen erlebt die Sozialdemokratie seit langem schon. Doch in den letzten Jahren hat sie sich dramatisch beschleunigt. Setzt sich die Erosion weiter fort, steht der Bestand als Partei irgendwann eben doch in Frage. Schon jetzt ist es spät, die Lage ernst genug. Hier geht es nicht um operative Vorschläge für eine Organisationsreform von Parteien. Wichtiger erscheint zunächst, das gesellschaftliche Gelände zu vermessen, in dem sich die Parteien im Allgemeinen und die Sozialdemokratie im Besonderen heute bewegen.

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Aktuelle Ausgabe Januar 2026

In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.

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2026 jährt sich die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten zum 250. Mal. Sie ist neben der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789 das wohl wichtigste Dokument der politischen Moderne. Mit der Herrschaft von Donald Trump stellt sich die Frage, ob die Demokratie in den USA noch gesichert ist.