Die amerikanische Wirtschaftspolitik gleicht derzeit einem Ritt über den Bodensee. Die letzte Rezession 1990/91 scheint ferne Vergangenheit. Seit 1992 werden positive Wachstumsraten verzeichnet, die 1998/99 sogar die 4%-Marke jährlich überschritten. Auch für das Jahr 2000 wird eine Fortsetzung dieses Trends prognostiziert, obwohl die jüngsten Daten einige Verunsicherung ausgelöst haben. Bei Vergleichen mit dem Wachstum in Europa muss zwar in Rechnung gestellt werden, dass die Bevölkerung der USA um jährlich mehr als 1% zunimmt - trotzdem überrascht die Dauer des Aufschwungs. Mäßige Inflationsraten, sinkende Steuerbelastung und ein ausgeglichener, zuletzt sogar überschüssiger Staatshaushalt bei geringen Lohnzuwächsen und niedriger Arbeitslosigkeit wecken den Neid und den Nachahmungstrieb anderer Industriestaaten. Die soziale Schlagseite des amerikanischen "Vorbilds" ist zwar bekannt, kann aber die Anhänger des Marktradikalismus in ihrer Begeisterung für das amerikanische Modell nicht irritieren. Dagegen wirkt die chronisch und zunehmend defizitäre Leistungsbilanz der USA schon störender. Denn ein solches Defizit gilt den Vertretern des Washington Consensus gemeinhin als Indikator für schlechte Politik, welche mit Recht von den Märkten negativ sanktioniert werde.
Ob bei der Wasserversorgung, in der Pflege oder im Gesundheitssektor: Bereits seit einigen Jahrzehnten kommt es selbst in systemrelevanten Bereichen immer wieder zu Privatisierungen – bei denen die kurzfristige Gewinnmaximierung zugunsten der Investoren oftmals das Geschäft bestimmt.