Der neue US-Präsident übernimmt von seinem Vorgänger ein doppelgesichtiges ökonomisches Erbe. Von finanziellen Hinterlassenschaften, wie Clinton sie nach Bush sen. Abwahl 1992 vorfand – insbesondere eine Staatsverschuldung in Rekordhöhe –, bleibt Bush jr. verschont. Allerdings ist der von der Clinton-Regierung und ihren Beratern totgesagte Konjunkturzyklus gerade zu Bushs Amtsübernahme wieder auferstanden. Und im Gegensatz zu Clinton, der das Präsidentenamt im Aufschwung übernehmen konnte, steigt Bush mitten im Beginn des konjunkturellen Abschwungs ein. Die Clinton-Regierung hatte den Boom der 90er Jahre in eine insgesamt eher expansiv ausgerichtete Wirtschaftspolitik eingebettet und damit verlängert. Moderate Zinsen, stetige Zuwachsraten der öffentlichen Investitions- und Konsumausgaben und eine Steuerpolitik, die Abgabenerhöhungen bei den oberen Einkommen mit einer mäßigen Belastung unterer und mittlerer Einkommen sowie einer negativen Einkommensteuer für die Working Poor verband: Diese Geld- und Fiskalpolitik schaffte auf Investitions- und Konsumgütermärkten eine Nachfragesituation, die nur durch ein ständig wachsendes Leistungsbilanzdefizit in Verbindung mit einer zunehmenden privaten Verschuldung befriedigt werden konnte.
In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.