Ausgabe Juni 2002

Kranke Kassen

Deutschlands Krankenkassen sind krank. Die Kassen stehen vor größeren Finanzierungsschwierigkeiten als die marode Rentenversicherung, sie verschlingen zu viele Milliarden, arbeiten ineffektiv und dienen Ärzten und Pharmaindustrie als Selbstbedienungsladen, heißt es. Solche Klagen über die Kassen werden nicht nur am Stammtisch und im Internet-Chat erhoben, sondern auch von Unternehmerverbänden, von Gewerkschaften und von Politikern jeglicher Couleur. Egal, ob die Kritiker für mehr Kapitalismus plädieren oder für eine Demokratisierung des Gesundheitswesens, immer sind die Versicherer (mit-) schuld an allen Gebrechen der hiesigen Heilkunst - der öffentliche Druck auf die Kassen ist enorm.

Der erste Druckposten sind die Kosten. Die Gesundheitsausgaben stiegen seit den 70er Jahren umgerechnet von rund 50 auf nun 130 Milliarden Euro an - eine gewaltige Kostenexplosion. Aber ist damit tatsächlich die "endgültige Grenze der Finanzierbarkeit" erreicht, wie es in der öffentlichen Diskussion oft heißt? Wohl kaum. Ein anderer Blickwinkel erlaubt ein differenzierteres Bild. Solche Horrorzahlen lassen nämlich wichtige Faktoren unberücksichtigt, wie die Teuerungsrate, medizinischen Fortschritt und wirtschaftliches Wachstum.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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