Ausgabe November 2002

Mazedonische Hausaufgaben

Am 15. September waren 1 664 296 wahlberechtigte Bürger der Republik Mazedonien aufgefordert, ein neues Parlament zu wählen. Nach Ansicht heimischer und internationaler Beobachter erbrachte die Wahl drei „Rekorde“: Zum Ersten gaben 1 216 339 Wähler ihre Stimme ab, was eine für balkanische Verhältnisse enorme Wahlbeteiligung von 75,2% ergibt. Zum Zweiten waren es die „friedlichsten Wahlen der vergangenen zwölf Jahre“, wie der bisherige Ministerpräsident Ljupčo Georgievski sagte. Niemand widersprach ihm. Und zum Dritten hat die mazedonische Öffentlichkeit mit Seelenruhe den Fortgang der Ereignisse hingenommen, was so nicht zu erwarten gewesen war.

Zudem verblüffte das Wahlergebnis in seiner Eindeutigkeit. Bereits wenige Stunden nach Schließung der Wahllokale räumte Georgievski die Niederlage seiner Koalition – bestehend aus seiner gemäßigt nationalistischen VMRO-DPMNE, Stojan Andovs Liberalen (LPM) und Arben Xhaferis Demokratischer Partei der Albaner (DPA) – unumwunden ein. Dreieinhalb Jahre musste die Regierung mit dem Vorwurf wirtschaftspolitischer Inkompetenz leben, im letzten halben Jahr legte sie noch einen furiosen Endspurt hin und schüttete über dem Land ein Füllhorn von Investitionen, Bauten, Reformen (zum Beispiel Abbau der staatlichen Bürokratie), Wiedergutmachungen (von Enteignungen aus der Tito-Ära) etc.

Sie haben etwa 11% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 89% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Holger Friedrich und die OAZ: Wie ein Verleger Demokratiefeinde hofiert

von Matthias Meisner

Auf dem deutschen Medienmarkt gibt es seit Ende Februar eine neue Zeitung. Das ist angesichts der andauernden Krise der Printmedien bemerkenswert. Doch über die »Ostdeutsche Allgemeine Zeitung« gibt es noch weit mehr zu sagen.