Ausgabe Juni 2003

Nordkoreanische Drohkulisse

Der Streit zwischen den USA und Nordkorea um dessen Atomwaffenprogramme ist seit Ende letzten Jahres wieder entbrannt. Dabei schien das überraschende Treffen des japanischen Ministerpräsidenten Koizumi mit dem nordkoreanischen Führer Kim Jong Il am 17. September 2002 darauf hinzudeuten, dass das Land sich langsam öffnet und einen weniger konfrontativen politischen Kurs gegenüber seinen Nachbarländern einschlägt. Doch dann gestand Nordkorea die Existenz eines Urananreicherungsprogramms zum Bau einer Atombombe ein. Eine neuerliche Annäherung deutete sich bei den trilateralen Verhandlungen zwischen den USA, Nordkorea und China Ende April 2003 an. Umso überraschender kam dann die amerikanische Meldung, Gi Lun, der Chef der nordkoreanischen Delegation, habe in einer Kaffeepause dem amerikanischen Chefunterhändler James Kelly erklärt, Nordkorea besitze die Bombe.

Schien es zuerst, als diene die Entwicklung atomarer Waffen samt den indirekten militärischen Drohungen gegenüber Japan und den USA nur dazu, ökonomische Hilfe zu erpressen, so zeigte sich in den letzten Monaten immer deutlicher, dass Nordkorea vor allem Sicherheitsgarantien von den USA verlangt. Erst anschließend will Nordkorea über einen Atomwaffenverzicht reden. Die USA wiederum wollen ihrerseits erst nach Abschaffung der Atomwaffen über Sicherheitsgarantien und ökonomische Hilfen verhandeln.

Sie haben etwa 11% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 89% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Euphorie und Ernüchterung: Bangladesch nach dem Aufstand

von Natalie Mayroth, Dil Afrose Jahan

Im September fanden an der Universität Dhaka, einer der wichtigsten Hochschulen Bangladeschs, Wahlen zur Studentenvereinigung statt. Manche sehen sie als Testlauf für die nationalen Wahlen. Daher ist es ein Warnsignal, dass dort ausgerechnet der Studentenflügel der islamistischen Jamaat-e-Islami gewann.