Ausgabe Oktober 2004

Der tote Scheich im Hause Saud

Die verhängnisvolle Geschichte des Wahhabismus

Saudi-Arabien galt einst, sehr zur Beruhigung der internationalen Ölmärkte, als Hort der Stabilität im Nahen Osten. Doch mittlerweile gehört es zum Alltag, dass Terroristen und Sicherheitskräfte sich auf den Straßen blutige Gefechte liefern. Unter Hochdruck fahnden saudische Behörden deshalb nach den Hintermännern der "Organisation der Qaida auf der arabischen Halbinsel", während die Amerikaner der internationalen Führungsriege habhaft zu werden versuchen. Das große Handicap der Fahnder: Organisatorische Strukturen werden zwar immer wieder zerschlagen, doch der ideologische Kopf entzieht sich erfolgreich der Inhaftierung. Denn die zentrale Figur im "Kampf gegen den Terror" ist ein Dörfler aus dem Innern Arabiens, der seit 213 Jahren tot ist.

Der Mann, den die Terroristenjäger nicht mehr fassen können, kannte seinen Feind von innen. Er bereiste die Supermacht, die sich die arabische Welt gefügig gemacht hatte und deren Schatten auch auf die arabische Halbinsel gefallen war. Die Verhältnisse, die er dort antraf, schockierten ihn: der Verfall der Grundwerte, der Materialismus einer Gesellschaft, in der der Mammon herrschte anstatt der Moral. In den arabischen Ländern, die sich unter dem Einfluss der Weltmacht befanden, beherrschten Korruption und Vetternwirtschaft das politische Leben.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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