Ausgabe Mai 2005

Stellenabbau trotz Milliardengewinn

Deutsche Großbanken in der Globalisierung

Die öffentliche Empörung war groß: Kaum hatte die Deutsche Bank AG angekündigt, trotz eines Jahresgewinns von gut 2,5 Mrd. Euro mehr als 6400 Arbeitsplätze abzubauen, hagelte es Kritik. "Schweinerei" und "Gier" schallte es den Bankern entgegen. Auch vom Verlust der "Wirtschaftsethik" und einem moralisch und volkswirtschaftlich fragwürdigen Kurs war die Rede.1 Selbst der Bundeskanzler fühlte sich bemüßigt, die Spitze von Deutschlands größter Bank an die soziale Verantwortung zu erinnern, der sich der frühere Vorstandssprecher Alfred Herrhausen immer verbunden gefühlt habe. Eigentum verpflichte, ergänzten die Gewerkschaften. Stahl sich hier eines der wichtigsten deutschen Unternehmen just zu dem Zeitpunkt aus seiner gesellschaftlichen Verantwortung, als die Arbeitslosenstatistik in schockierende Höhen schoss? Oder verbirgt sich hinter dem Aufruhr nur ein "Winterloch"-Phänomen2 der deutschen Mediendemokratie?

Deutschlands Großbanken befinden sich seit einigen Jahren in einer bedrohlichen Krise. Ihre Profite gelten im internationalen Maßstab als gering, ihre Kosten als hoch, ihre Marktanteile in der Heimat als niedrig, ihre Börsenwerte als klein. Selbst die größte von ihnen, die Deutsche Bank AG, gilt als potenzielles Opfer einer ausländischen Übernahme. Öffentliche Aufmerksamkeit erregten die Großbanken zudem mit einer beachtlichen Serie rhetorischer Fehltritte und ungeschickter Managemententscheidungen.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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