Ausgabe September 2005

Saudi-Arabien nach König Fahd

Nicht erst der Tod von König Fahd Anfang August hat Saudi-Arabien in den Mittelpunkt des internationalen Interesses gerückt. Das Land befindet sich schon seit geraumer Zeit in einer tiefen Krise. Was ist das für ein Staat, der in höchstem Maße von westlicher Technologie und amerikanischen Sicherheitsgarantien abhängig ist, aber von tiefstem Antiamerikanismus gepackt zu sein scheint? Der das Taliban-Regime in Afghanistan genauso unterstützt hat, wie er den israelisch-palästinensischen Friedensprozess fördert? Der seinen Frauen das Autofahren verbietet, Männer und Frauen soweit wie möglich separiert und eine Religionspolizei mit der Durchsetzung von Bekleidungsund Verhaltensvorschriften beschäftigt? Der sich selbst, das eigene monarchische System, als Hüterin der heiligen Stätten (des Islam) legitimiert, den Koran zur Verfassung erklärt, den intolerantesten Staatsislam pflegt und verbreitet – und dennoch von bürgerlichen Liberalen verteidigt, aber zum Angriffsziel islamistischer Ultras wird?

Das erste kurze Jahrhundert

Als Ausgangspunkt der Geschichte des modernen Saudi-Arabien gilt allgemein die Eroberung Riads durch den Staatsgründer Abd al-Aziz bin Saud im Jahre 1902; 1999 feierte der saudische Staat deshalb seinen 100. Geburtstag.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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