Ausgabe Oktober 2005

Schlusslicht Ostdeutschland: Ein Menetekel ?

Das wahre Ausmaß des Desasters der ostdeutschen Wirtschaft in den Jahren zwischen 1989 und 1992 blieb der Öffentlichkeit bisher weitgehend unbekannt, weil für die politische Klasse der Bundesrepublik, die nach Herkunft und Anspruch westdeutsch geblieben ist, die DDR und ihre Geschichte nicht existent waren. Auch in der heutigen amtlichen Statistik ist dieser Landesteil bis 1991 immer noch terra incognita, und Projekte zur Aufarbeitung statistischer Angaben über die DDR-Wirtschaft wurden aufgrund von Sparmaßnahmen eingestellt.

Die bereits seit 2000 vorliegenden Angaben zum BIP der späteren neuen Bundesländer 1970 bis 1989 (erstellt nach der Systematik der Bundesrepublik, aber noch zu Preisen der DDR) wurden erst jetzt in DM bzw. Euro umgerechnet und mit den bisher nur für die Zeit nach 1991 vorliegenden Daten vergleichbar gemacht. Danach ist zwischen 1989 und 1991 die wirtschaftliche Leistungskraft der neuen Bundesländer (ohne Berlin) um ein Viertel gesunken. Mit dem 1992 bis 1996 erreichten Wirtschaftswachstum wurde wieder das Niveau von 1989 überschritten. Dieses Wachstum blieb aber relativ kurzatmig; ab 2000 stagnierte die ostdeutsche Wirtschaft. Bis 2004 stieg die Wirtschaftskraft Ostdeutschlands gegenüber dem Ausgangsjahr 1989 um insgesamt 19 Prozent; daraus ergibt sich ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 1,2 Prozent für diesen Zeitraum.

Sie haben etwa 13% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 87% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Rechte Gewalt, leere Kassen: Ostdeutsche Zivilgesellschaft unter Druck

von Elisa Pfleger

In der Bundespolitik ist das Entsetzen über den Erfolg der AfD bei der Bundestagswahl noch immer groß. In allen ostdeutschen Flächenländern und in 43 von 48 Wahlkreisen wurde die in weiten Teilen rechtsextreme Partei stärkste Kraft, in Görlitz und im Kreis Sächsische-Schweiz-Osterzgebirge erhielt sie beinahe 50 Prozent der Stimmen.