Ausgabe Mai 2006

Grüne Gentechnik auf dem Vormarsch

Seit dem Regierungswechsel in der Bundesrepublik dürfen die internationalen Agro-Konzerne wieder hoffen. Von Innovationshysterie und Fortschrittsbesessenheit getrieben, erweisen sich vor allem Politiker der Union, zu deren größten finanziellen Gönnern mit dem Verband der Chemischen Industrie auch Profiteure der Gentechnik gehören, als treue Steigbügelhalter. Dass seit Jahren konstant mehr als zwei Drittel der Bevölkerung diese Risikotechnologie ablehnen, stört dabei genauso wenig wie die sich immer mehr bestätigenden Indizien negativer gesundheitlicher und ökologischer Nebenwirkungen gentechnisch veränderter Pflanzen.1 Auch die Untergrabung der Nahrungsmittelsouveränität und die regelrechte Versklavung von Kleinbauern in Afrika, Asien und Südamerika – durch Patentrecht, Terminatortechnologie und Wiederaussaatverbot – bewegt jene christlichen Politiker wenig. Stattdessen wird weiter das Lied vom Segen der Gentechnik für die Bekämpfung des Welthungers gesungen. Der Umstand, dass sich unter den Staaten, die vor der Welthandelsorganisation (WTO) gegen die angeblich zu restriktive Gentechnikregulierung der Europäischen Union klagen, trotz intensiver Bemühungen der USA nur satte Industrieländer befinden, widerlegt allerdings diese Behauptung.

Dennoch zeigt der handelspolitische Druck inzwischen Wirkung.

Cover Mai 2006

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Hochseeschutz: Hoffnung für das Lebenselixier des Planeten?

von Julia Lauter

Weit draußen vor unseren Küsten liegt eine weitgehend ignorierte Weltregion, an der das Überleben der Menschheit hängt: die Hohe See. Sie bedeckt zwei Drittel der Erdoberfläche, in ihr leben rund 80 Prozent aller Tierarten, sie reguliert das globale Klima und bindet ein Drittel des vom Menschen verursachten CO2.