Ausgabe November 2006

Die Dresdner Brücken-Posse

Dresden, das „Elbflorenz“, ist eine an kulturellen Schätzen überaus reiche Stadt, die es, trotz unsagbarer Kriegsverluste im Zweiten Weltkrieg, vermochte, in neuer barocker Schönheit zu erblühen. Darin sind sich Bürger, Kunsthistoriker und Museumsleute, aber auch die jährlich bis zu drei Millionen Touristen einig, welche die Stadt wegen ihres einzigartigen Ensembles (Frauen-, Kreuz- und Hofkirche, Semperoper, Stadtschloss, Brühlsche Terrasse, Zwinger) besuchen. Der gelungene kulturelle Wiederaufbau genießt weltweit Respekt, hat doch die Stadt mit der Weihe der Frauenkirche im Oktober 2005 sowie der jüngst vollendeten prachtvollen Rekonstruktion des Grünen Gewölbes auch Zeichen für Versöhnung und Völkerverständigung gesetzt.

Und doch ist es gerade diese einst durch Bombardements und Feuersbrunst verwüstete Stadt, der erneut bauliche Narben zugefügt werden sollen, dieses Mal aber in einem einzigartigen Akt der kulturellen Selbstverstümmelung. Nur noch die Gerichte scheinen Dresden vor erneuter Kulturzerstörung bewahren zu können.

Worum also geht es im Streit um die Dresdner Waldschlösschenbrücke konkret?

Im Mittelpunkt der Fehde steht der Bau einer mit Bürgerentscheid vom Februar 2005 beschlossenen, 160 Mio. Euro teuren, vierspurigen Brücke, die eine Entlastung für den städtischen Autoverkehr bringen soll.

Sie haben etwa 10% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 90% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema Kultur