Ausgabe März 2008

Iran: Kampf unter Konservativen

Am 14. März wird im Iran ein neues Parlament gewählt, aber Wahlen dort sind eine Farce. Wer die gesetzlichen Voraussetzungen für die Bewerbung um einen der 290 Sitze im Parlament erfüllt und ordnungsgemäß seine Unterlagen beim Innenministerium einreicht, kann noch lange nicht sicher sein, dass er oder sie sich auch tatsächlich zur Wahl stellen kann.

Zunächst werden die Unterlagen von Ausschüssen geprüft, die vom Innenministerium gebildet werden. Diese sollen prüfen, ob die Kandidaten vorbestraft sind, ob gegen sie eine Anklage vorliegt, und ob sie sich sittlich und moralisch dazu eignen, als Vertreter des Volkes zu wirken.

Wer diese Hürde überwindet, ist noch immer nicht am Ziel. Denn die letzte Entscheidung liegt beim Wächterrat, dem verlängerten Arm des Revolutionsführers. Dieses aus zwölf Mitgliedern bestehende mächtige Gremium1 hatte ursprünglich die Aufgabe, die Übereinstimmung der vom Parlament verabschiedeten Gesetze mit den Grundsätzen des Islam zu prüfen; jedes Gesetz bedurfte seiner Zustimmung. Inzwischen ist die Macht des Wächterrats sogar noch ausgeweitet worden. Heute kann er nicht nur verabschiedete Gesetze zurückweisen, sondern durch seine Befugnis, die „Eignung“ aller Bewerber zu prüfen, auch auf jede Wahl (einschließlich der des Präsidenten) direkt Einfluss nehmen.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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