Ausgabe April 2010

Subventionierte Störfälle

Fast ein halbes Jahr, nachdem sich CDU/CSU und FDP in ihrem Koalitionsvertrag darauf verständigten, „die Laufzeiten deutscher Kernkraftwerke unter Einhaltung der strengen deutschen und internationalen Sicherheitsstandards zu verlängern“, herrscht immer noch Unklarheit über den von der neuen Bundesregierung verfolgten Atomkurs.

Von weitgehender oder gar unbegrenzter Laufzeitverlängerung gingen seit der Bundestagswahl offensichtlich die Analysten aus. Unmittelbar nach dem 27. September 2009 stuften sie alle Aktien der Atomstromkonzerne auf „Kaufen“ hoch und sahen ein erhebliches Kurspotential von über 30 Prozent. Dennoch zeigte bereits die schwache Reaktion auf diese Kaufempfehlungen, dass „der Markt“ einstweilen abwartet, ob die Koalitionsvereinbarung zur Laufzeitverlängerung tatsächlich umgesetzt wird.

In der Koalition hat sich insbesondere Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) dagegen verwandt, die Laufzeit der Atomkraft auf unbestimmte Zeit zu verlängern. Mehr noch: Er forderte seine Partei auf, die Befürwortung der Atomenergie nicht als ein „Alleinstellungsmerkmal“ der Union zu begreifen. Stattdessen solle die Bundesregierung bis zum Herbst darlegen, wie die Reaktoren schrittweise durch erneuerbare Energien abzulösen seien. „Der Ökostromanteil muss noch von heute 16 auf 40 Prozent ansteigen, dann ist es soweit.

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