Ausgabe Juni 2014

1914 und die Spaltung der Linken

Wenn derzeit mit Blick auf den Beginn des Ersten Weltkriegs überall das Bild jubelnder Massen auftaucht, geht eines dabei unter: Bereits im Juni/Juli 1914 gingen Hunderttausende gegen die drohende Kriegsgefahr auf die Straße. Vor allem die Arbeiterorganisationen, allen voran die II. bzw. Sozialistische Internationale, warnten vor der heraufziehenden Katastrophe.

Den Umbrüchen dieser Epoche spürt Paul Frölich (1884-1953) in seiner überaus lesenswerten „Politischen Autobiographie“ nach. Der Redakteur der linkssozialistischen „Bremer Bürger-Zeitung“ war selbst unmittelbar in die historischen Prozesse involviert. Daher vermag Frölich die atmosphärische Nähe des Partei ergreifenden, aber dennoch kritischen und selbstreflektierten Zeitgenossen zu vermitteln. Und ebendies macht den Wert dieser Publikation aus.

Dennoch erschienen Frölichs Erinnerungen erst jüngst und weitgehend unbeachtet. Zuvor hatten sie fast acht Jahrzehnte in den Katakomben des angesehenen Amsterdamer Internationalen Instituts für Sozialgeschichte (IISG) gelegen. Aus dem IISG stammte auch der Anstoß für Frölichs Arbeit. Das Institut, das unter anderem Manuskripte von Karl Marx und anderen Persönlichkeiten der Arbeiterbewegung aufbewahrt, war an den Lebenserinnerungen ehemaliger Kommunisten interessiert.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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