Ausgabe Mai 2016

Die Empathie der Nachgeborenen

Wie man die »Last der Vergangenheit« abstreift

Sieben Jahrzehnte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs sind die Deutschen, die das „Dritte Reich“ getragen haben, und mehr noch jene, bei denen die Verantwortung für sein Zustandekommen lag, aus der Gesellschaft der Bundesrepublik längst verschwunden. Nun aber geht auch der Abschied von den Jungen der Hitlerzeit seinem Ende entgegen; mithin von jener Generation, die sich der weltanschaulichen Indoktrination, dem täglich erlebten Rassismus und dem politischen Fanatismus am wenigsten leicht entziehen konnte, obwohl es auch das gegeben hat. Heißt das, die Nachgeschichte des Nationalsozialismus ist jetzt vorbei?

Als vierte der „Fünf Möglichkeiten, die Geschichte der Bundesrepublik zu erzählen“, benannte Axel Schildt zu deren 50. Geburtstag die Geschichte ihrer Belastung.[1] Gemeint war damit nicht etwa die in den späten 1990er Jahren vieldiskutierte Belastung des Sozialstaats im Zeichen des demographischen Wandels und gemeint waren auch nicht die enormen finanziellen Lasten des ein knappes Jahrzehnt zuvor möglich gewordenen Beitritts der sich auflösenden DDR zur Bundesrepublik. Mit deutscher „Belastungsgeschichte“ gemeint war vielmehr die Last der Vergangenheit.

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (2.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Dezember 2025

In der Dezember-Ausgabe ergründet Thomas Assheuer, was die völkische Rechte mit der Silicon-Valley-Elite verbindet, und erkennt in Ernst Jünger, einem Vordenker des historischen Faschismus, auch einen Stichwortgeber der Cyberlibertären. Ob in den USA, Russland, China oder Europa: Überall bilden Antifeminismus, Queerphobie und die selektive Geburtenförderung wichtige Bausteine faschistischer Biopolitik, argumentiert Christa Wichterich. Friederike Otto wiederum erläutert, warum wir trotz der schwachen Ergebnisse der UN-Klimakonferenz nicht in Ohnmacht verfallen dürfen und die Narrative des fossilistischen Kolonialismus herausfordern müssen. Hannes Einsporn warnt angesichts weltweit hoher Flüchtlingszahlen und immer restriktiverer Migrationspolitiken vor einem Kollaps des globalen Flüchtlingsschutzes. Und die Sozialwissenschaftler Tim Engartner und Daniel von Orloff zeigen mit Blick auf Großbritannien und die Schweiz, wie wir dem Bahndesaster entkommen könnten – nämlich mit einer gemeinwohlorientierten Bürgerbahn. 

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Micha Brumlik: Ein furchtloser Streiter für die Aufklärung

von Meron Mendel

Als die Hamas am 7. Oktober 2023 Israel überfiel und anschließend der Krieg der Netanjahu-Regierung in Gaza begann, fragten mich viele nach der Position eines Mannes – nach der Micha Brumliks. Doch zu diesem Zeitpunkt war Micha bereits schwer krank. Am 10. November ist er in Berlin gestorben.

Warnungen aus Weimar

von Daniel Ziblatt

Autokraten sind vielerorts auf dem Vormarsch. Ihre Machtübernahme ist aber keineswegs zwangsläufig. Gerade der Blick auf die Weimarer Republik zeigt: Oft ist es das taktische Kalkül der alten Eliten, das die Antidemokraten an die Macht bringt.