Ausgabe Mai 2016

Die Empathie der Nachgeborenen

Wie man die »Last der Vergangenheit« abstreift

Sieben Jahrzehnte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs sind die Deutschen, die das „Dritte Reich“ getragen haben, und mehr noch jene, bei denen die Verantwortung für sein Zustandekommen lag, aus der Gesellschaft der Bundesrepublik längst verschwunden. Nun aber geht auch der Abschied von den Jungen der Hitlerzeit seinem Ende entgegen; mithin von jener Generation, die sich der weltanschaulichen Indoktrination, dem täglich erlebten Rassismus und dem politischen Fanatismus am wenigsten leicht entziehen konnte, obwohl es auch das gegeben hat. Heißt das, die Nachgeschichte des Nationalsozialismus ist jetzt vorbei?

Als vierte der „Fünf Möglichkeiten, die Geschichte der Bundesrepublik zu erzählen“, benannte Axel Schildt zu deren 50. Geburtstag die Geschichte ihrer Belastung.[1] Gemeint war damit nicht etwa die in den späten 1990er Jahren vieldiskutierte Belastung des Sozialstaats im Zeichen des demographischen Wandels und gemeint waren auch nicht die enormen finanziellen Lasten des ein knappes Jahrzehnt zuvor möglich gewordenen Beitritts der sich auflösenden DDR zur Bundesrepublik. Mit deutscher „Belastungsgeschichte“ gemeint war vielmehr die Last der Vergangenheit.

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