Ausgabe März 2017

Geert Wilders: Sieg ohne Macht?

Als der Publizist und frühere Soziologieprofessor Pim Fortuyn 2002 die niederländische Politik aufmischte, reagierte der Rest Europas verwundert bis schockiert: Scheinbar aus dem Nichts erschien da ein schwuler Dandy und setzte sich mit markigen Sprüchen gegen Multikulturalismus und angebliche Islamisierung gleich an die Spitze der Umfragen.

Fortuyn war einer der ersten Vertreter einer neuen Welle rechter Politiker auf dem Kontinent. An ihnen haftete nicht mehr der Geruch von Springerstiefeln, Wehrmachtgedenken oder Blut-und-Boden-Ideologie. Damit wurden sie auch für Durchschnittswählerinnen und -wähler interessant. Dass ausgerechnet die Niederlande, das Sinnbild von Toleranz und einer „High-sein-frei-sein“-Mentalität, zum europäischen Vorreiter dieser Rechtsentwicklung avancierten, sorgte nicht nur dort für gewaltige Irritationen.

Anderthalb Jahrzehnte später könnte das Land erneut ein Signal nach ganz Europa senden. Bei den Parlamentswahlen am 15. März droht sich die rechtspopulistische Partij voor de Vrijheid (PVV) um ihren Spitzenkandidaten Geert Wilders zur stärksten politischen Kraft aufzuschwingen. Die PVV ist die Nachlassverwalterin der Fortuyn-Partei, die nach der Ermordung ihres Gründers einen rapiden Niedergang erlebte.

Sie haben etwa 8% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 92% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema