Ausgabe April 2020

Irland: Mit links zur Einheit?

Irlands politische Landschaft erlebt derzeit ein regelrechtes Erdbeben. Stets dominierte in den knapp hundert Jahren seit der Unabhängigkeit von Großbritannien eine der beiden konservativen Parteien das politische Geschehen im Land. Jeder Ministerpräsident kam entweder aus den Reihen von Fianna Fáil (FF) oder von Fine Gael (FG). Doch das dürfte nun Geschichte sein: Bei den Parlamentswahlen vom 8. Februar konnte die linke Sinn Féin (SF) – ehemals politischer Arm der Irisch-Republikanischen Armee (IRA) – überraschend deutlich die meisten Stimmen auf sich vereinen. Die beiden Platzhirsche mussten dagegen Einbußen hinnehmen und kassierten eines der schlechtesten Ergebnisse ihrer jeweiligen Geschichte.

Zugleich ist die irische Sozialdemokratie in zwei Parteien gespalten (Social Democrats und Irish Labour Party), die selbst zusammen nur auf knapp über sieben Prozent kommen. Die Grünen wiederum haben hinzugewonnen und sind zur viertstärksten Kraft aufgestiegen.[1]

Diese starke Fragmentierung des Parteiensystems erklärt sich nicht zuletzt aus dem Wahlmodus: In Irland wird per proportionalem Personenwahlverfahren gewählt, bei dem die Wähler*innen Präferenzstimmen an einzelne Kandidat*innen verteilen können und dabei pro Wahlkreis mindestens drei Mandate vergeben.

April 2020

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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