Ausgabe August 2020

Polen: Kaczyński vor dem Durchmarsch?

Andrzej Duda (Mitte) Wahlabend in Pultusk, Polen

Bild: Andrzej Duda (Mitte) Wahlabend in Pultusk, Polen (imago images / newspix)

Am Ende hat nicht viel gefehlt: Weniger als eine halbe Million der insgesamt rund 30 Millionen Wahlberechtigten machten bei der Stichwahl am 12. Juli ihr Kreuz häufiger bei Amtsinhaber Andrzej Duda (51 Prozent) anstatt bei dessen Herausforderer, dem Kandidaten der konservativ-liberalen Bürgerplattform (PO) Rafał Trzaskowski (49 Prozent). Die für polnische Verhältnisse (und zudem in der Pandemie) hohe Wahlbeteiligung von 68 Prozent zeigt, dass es sich um eine wegweisende Wahl gehandelt hat: Das Präsidentenamt in Polen verleiht dem Amtsträger ein Vetorecht gegenüber der Regierung, er muss jedes Gesetz signieren – Trzaskowski verkörperte damit für seine Anhänger die nun gescheiterte Hoffnung auf ein Ausbremsen der seit 2015 regierenden Recht und Gerechtigkeit (PiS), der Duda angehört.

Der liberalkonservative Warschauer Bürgermeister war erst wenige Wochen vor dem Votum als Ersatzkandidat einer glücklosen Parteikollegin ins Rennen eingestiegen, und war aus Sicht vieler Anhängerinnen und Anhänger doch der letzte Rettungsanker vor einem weiteren Abdriften Polens in einen neuen Autoritarismus. Das Fatale daran: Trzaskowskis Sieg lag tatsächlich in Reichweite. Am Ende waren es einige wenige Punkte, mit denen der Oppositionskandidat die entscheidenden Wählerinnen und Wähler nicht überzeugen konnte oder gar wieder verlor.

August 2020

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Druckausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Erfahrung der Freiheit: Die Kinder von Tschernobyl

von Olga Bubich

Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl traf die armen Regionen in Belarus besonders hart. Gut eine Million Kinder aus den verstrahlten Gebieten konnten über humanitäre Programme jahrelang ein paar Wochen in anderen europäischen Ländern verbringen.