Ausgabe März 2021

Gekränkt und militant: Der Angriff der Maskulinisten

Bewaffneter Mann auf einer Kundgebung in Richmond/USA, 18. Januar 2021 (IMAGO / ZUMA Wire)

Bild: Bewaffneter Mann auf einer Kundgebung in Richmond/USA, 18. Januar 2021 (IMAGO / ZUMA Wire)

Zu Beginn der Coronazeit ging eine Montage von sieben Gesichtern um die Welt. Sie gehörten den Staats- und Regierungsoberhäuptern, die ihre Länder am besten durch die Krise manövrierten und am souveränsten Führung demonstrierten. Es waren ausnahmslos weibliche Gesichter: die Porträts der Staats- und Regierungschefinnen von Deutschland, Taiwan, Neuseeland, Island, Finnland, Norwegen und Dänemark. Es sind die Gesichter einer neuen Politik, deren Bilder weltweit geteilt wurden, weil sie eine neue Form weiblicher Autorität repräsentieren.

Dass der politische Stil der Politikerinnen anders ist als der ihrer männlichen Kollegen, wurde besonders in der Krisenzeit von der medialen Öffentlichkeit bemerkt und diskutiert. Magazine, Zeitungen und Nachrichtensender wie die „New York Times“, der „Guardian“, „Forbes“, CNN, aber auch nichtwestliche Medien wie das indische Journal „Yourstory“ lobten den „neuen weiblichen Führungsstil“ als vielversprechend und zukunftsweisend „in einer Ära der neuen globalen Bedrohungen“.[1] Frauen „sind die besseren Führungspersönlichkeiten, wie die Pandemie beweist“, so ihr Urteil.[2]

Sehr kritisch hingegen wurde der männliche Führungsstil gesehen, dargestellt als politisches Gebaren „starker Männer“ wie Trump, Bolsonaro, Putin oder Netanjahu. Sie nutzten die globale Krise, um ihre autoritäre Herrschaft noch schneller auszubauen, statt im Interesse der Gemeinschaft zu handeln.

März 2021

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