Ausgabe Mai 2021

Corona in Schweden: Nach dem Sonderweg scharf rechts?

Der Parteivorsitzende der Schwedendemokraten, Jimmie Akesson, auf einer Pressekonferenz, 13. August 2020 (IMAGO / TT)

Bild: Der Parteivorsitzende der Schwedendemokraten, Jimmie Akesson, auf einer Pressekonferenz, 13. August 2020 (IMAGO / TT)

In Schweden droht ein Tabubruch: Bei der Parlamentswahl im Herbst 2022 planen die bürgerlichen Parteien, einen politischen Wechsel herbeizuführen – indem sie auf die Unterstützung durch die rechten Schwedendemokraten setzen. Schon seit geraumer Zeit kritisieren die liberal-konservative Moderate Sammlungspartei und die konservativen Christdemokraten die Krisenpolitik der rot-grünen Regierung in Stockholm scharf. Auffällig wohlwollende Töne finden sie hingegen gegenüber den Schwedendemokraten. Führt der Sonderweg in der Coronapandemie nun also zu einem politischen Rechtsruck – ausgerechnet in jenem Land, das wie kaum ein anderes durch die Sozialdemokratie geprägt wurde?

Seit Januar 2019 bilden die Sozialdemokraten und die Grünen eine Minderheitsregierung unter Führung von Stefan Löfven. Ihr Sonderweg, der den Verzicht auf einen Lockdown im vergangenen Frühjahr vorsah, sorgte für heftige Kontroversen im In- und Ausland. Dabei haben sich Sozialdemokraten und Grüne in ihrem Vorgehen lange Zeit an den Vorgaben des staatlichen Gesundheitsamts und dessen prominentesten Mediziner, dem Epidemiologen Anders Tegnell, orientiert.[1] Tegnell traf im vergangenen Jahr etliche falsche Vorhersagen: So hatte er im Frühjahr 2020 erklärt, dass der Corona-Hotspot Stockholm bereits im Sommer darauf eine Herdenimmunität verzeichnen werde. Auch schloss er für Schweden eine zweite Pandemiewelle für den Herbst aus.

Mai 2021

Sie haben etwa 10% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 90% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Druckausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Weitere Artikel zum Thema

Gesundheitsreform: Die Zeche zahlen die Bedürftigsten

von Ulrike Baureithel

»Historisch« und eine »große Kraftanstrengung«, nannte es Friedrich Merz Ende April unmittelbar nach der Kabinettsklausur, als er mit Gesundheitsministerin Nina Warken die Reform der Gesetzlichen Krankenkasse vorstellte. Gemessen an Warkens Augenpartie stimmt zumindest letzteres für sie.

Erfahrung der Freiheit: Die Kinder von Tschernobyl

von Olga Bubich

Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl traf die armen Regionen in Belarus besonders hart. Gut eine Million Kinder aus den verstrahlten Gebieten konnten über humanitäre Programme jahrelang ein paar Wochen in anderen europäischen Ländern verbringen.