Ausgabe April 2022

Aufklärung statt Impfpflicht

Der von vielen lang erwartete »Tot-Impfstoff« Novavax kommt in die deutschen Impfzentren und Artzpraxen, Februar 2022 (IMAGO / MiS)

Bild: Der von vielen lang erwartete »Tot-Impfstoff« Novavax kommt in die deutschen Impfzentren und Artzpraxen, Februar 2022 (IMAGO / MiS)

In der Februar-Ausgabe der »Blätter« plädierte Miguel de la Riva für die gesetzliche Impfpflicht als »Gebot der Solidarität« und »Weg aus der Krise«. Eine solche Argumentation ist nicht nur moralinsauer, sondern individualisiert politische Probleme und ist obendrein kontraproduktiv, kritisiert der Arzt und ehemalige gesundheitspolitische Sprecher der Linksfraktion im Abgeordnetenhaus von Berlin, Wolfgang Albers

Sascha Lobo hat in einem „Spiegel“-Essay über die Corona-Gesellschaft einmal von „Vernunftpanik“ gesprochen. Als überdrehte Stufe von tatsächlich sinnvollem Handeln habe diese den Abschied vom eigentlichen Wesen der Vernunft, dem Abwägen, zur Folge. Wenn Vernunft bedeutet, ein brennendes Haus zu löschen, heißt Vernunftpanik, sicherheitshalber auch gleich den nächsten Stausee zu fluten.[1]

Der Furor, der jener Panik zugrunde liegt, die anderen handelten weniger vernünftig als man selbst, wird auch in Miguel de la Rivas Text deutlich, wenn er zur Begründung seiner Thesen über drohende Todeszahlen, schwerste Krankheitsverläufe und Long-Covid-Entwicklungen mutmaßt, über „herausfordernde Mutanten“ spekuliert und langfristig „ständig neue Wellen“ prophezeit.

Im Einzelnen darauf einzugehen, sprengt den Rahmen. Ebenso wenig können hier all jene verfassungsrechtlichen und praktischen Probleme erörtert werden, die eine solche Impfpflicht mit sich brächte.

April 2022

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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