Ausgabe Dezember 2022

Triage: Survival of the fittest?

Pflegekräfte auf einer Intensivstation in Duisburg, 6.5.2021 (IMAGO / Reichwein)

Bild: Pflegekräfte auf einer Intensivstation in Duisburg, 6.5.2021 (IMAGO / Reichwein)

Fast genau ein Jahr nach der Aufforderung durch das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) verabschiedete der Bundestag am 10. November eine Neuregelung zur Triage im Pandemiefall – und stößt damit auf Kritik bei den damaligen Beschwerdeführenden wie auch in der Ärtzeschaft: Im Dezember 2021 übertrug der Erste Senat des BVerfG dem Gesetzgeber den Auftrag, für Menschen mit Behinderung in einer besonders schutzwürdigen Konstellation wie während der Coronapandemie die konkrete Schutzpflicht „zu verdichten“. „Es liegen Anhaltspunkte dafür vor“, so die Begründung der Richter*innen, „dass für die Beschwerdeführenden ein Risiko besteht, bei Entscheidungen über die Verteilung pandemiebedingt nicht ausreichender überlebenswichtiger Ressourcen in der Intensivmedizin und damit bei einer Entscheidung über Leben und Tod aufgrund ihrer Behinderung benachteiligt zu werden.“[1] Sie forderten den Gesetzgeber auf, ein entsprechendes Gesetz auf den Weg zu bringen. Die Entscheidung des BVerfG stützt sich maßgeblich auf Artikel 3 Abs. 3 Satz 2 des Grundgesetzes und die UN-Behindertenrechtskonvention.

»Blätter«-Ausgabe 12/2022

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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