Ausgabe Januar 2023

Kubicki mit dem Hackebeilchen

Wolfgang Kubicki und Sahra Wagenknecht beim Blankeneser Neujahrsempfang, Hamburg, 10.1.2013 (IMAGO / Future Image)

Bild: Wolfgang Kubicki und Sahra Wagenknecht beim Blankeneser Neujahrsempfang, Hamburg, 10.1.2013 (IMAGO / Future Image)

Es gibt einen Typus in der Politik, ohne den der mediale Betrieb heute kaum überlebensfähig wäre: Das ist der und die freie Radikale. Sie versorgen tagtäglich die Vierte Gewalt mit dem eigentlich Relevanten, sprich: mit den schönsten Attacken auf den politischen Gegner, gerne und am liebsten auch in den eigenen Reihen, denn das schmerzt am meisten – und erfreut von daher auch den Boulevard und sein erregtes Publikum.

Das Anforderungsprofil an den freien Radikalen ist klar: Er agiert bar jeder politischen Verantwortung, weil er sich jeglicher Regierungsbeteiligung entzieht. Deshalb hat dieser Typus alle Zeit der Welt, als politischer Heckenschütze aus dem Hinterhalt zu agieren. Und weil er durchaus rhetorisch beschlagen und zumeist narzisstisch veranlagt ist, wartet er bereits jeden Morgen, welches Medienorgan ihn wohl heute wieder behelligt, damit er seine politische Meinung absondern kann. Oder besser noch: Er schafft sich seine politische Bühne gleich selbst.

Zwei Personen haben es in dieser Disziplin zu fast unüberbietbarer Meisterschaft gebracht, nämlich Sahra Wagenknecht und Wolfgang Kubicki.

Ja, die leidgeprüfte Linkspartei kann ein Lied davon singen. Seit Jahren ist sie mit einem Parteimitglied geschlagen, übrigens mit dem populärsten Parteimitglied überhaupt, das keinen Pfifferling auf Parteitagsbeschlüsse, -programme oder sonstiges Offiziöses gibt.

»Blätter«-Ausgabe 1/2023

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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