Ausgabe August 2023

Worüber reden wir, wenn wir von »trans« reden?

Elizabeth Duval, Nach Trans. Sex, Gender und die Linke, Cover: Verlag Klaus Wagenbach

Bild: Elizabeth Duval, Nach Trans. Sex, Gender und die Linke, Cover: Verlag Klaus Wagenbach

Über Transsexualität und Transgender wird seit einigen Jahren erregt debattiert. Trans Menschen streiten für ihr Recht auf Selbstbestimmung. Konservative und rechtspopulistische Stimmen verhöhnen diese Emanzipationsbemühung als letzte Verirrung einer spinnerten Linken, das Schmähwort vom „Gendergaga“ ist zu einem zentralen Kampfbegriff geworden. Als im Juni zwei Drag- und trans Personen in der Münchener Stadtbibliothek eine Vorlesestunde für Kinder organisierten, mobilisierte die Rechte zu Demonstrationen, eine 13-jährige trans Jugendliche erhielt Morddrohungen und zog sich von der Lesung zurück.

Aber die Kritik kommt nicht nur von rechts: Auch ältere Feministinnen fürchten darum, dass mehr Rechte für trans Menschen gleich-bedeutend seien mit weniger Rechten für Frauen. Von aktivistischer Seite wird gegen solche Bedenken in mitunter aggressiver Weise der Vorwurf der Transphobie erhoben. Die Feministinnen werden als „TERFs“ verunglimpft, als „Trans-Exclusionary Radical Feminists“ (trans-ausschließende radikale Feministinnen). Manche von ihnen, wie die britische Philosophin Kathleen Stock, empfinden sich als Opfer einer „Cancel Culture“. Stock trat nach Protesten und Gewaltandrohungen von Studierenden von ihrer Professur an der Universität von Sussex zurück.

Die Lage ist verfahren, die Stimmung unversöhnlich.

»Blätter«-Ausgabe 8/2023

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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